Leben in Griechenland, Mein Leben
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Die griechisch-orthodoxe Taufe

Bei Paulina im Goldbird Workshop hatte ich ja schon das Taufgeschenk gekauft, hier nun ein kleiner Beitrag zur Festlichkeit.
Man benötige im Vorfeld:

  • 1 Kind
  • 1 griechische Schwiegermutter, die auf einer griechischen Taufe besteht.

In Griechenland bekommen die Kinder nicht bei der Geburt ihren Namen, sondern erst nach der Taufe. Bis dahin werden die Kinder nicht mit dem Namen angesprochen, sondern nur mit Kosenamen wie Liebling, Baby oder ähnlichem. Deswegen wurden meine Kinder schon als sie ganz klein waren getauft.  😉
Sehr gewöhnungsbedürftig, da man sich doch in Deutschland bereits mit der Geburt für den Kindesnamen entscheidet.
Hier kenne ich Kinder, die die ersten Lebensjahre ausschließlich mit Kosenamen gerufen wurden und ich immer etwas irritiert war, wenn mir die Eltern ihrer schon sprechenden und laufenden Kinder erzählten, sie wüssten noch nicht, wie sie ihr Kind nennen werden.
Die traditionelle Namensgebung erfolgt entweder nach den Großeltern oder auch nach vestorbenen Familienmitgliedern. Deswegen gibt es in Griechenland auch soviele gleiche Namen. Falls man sich nicht der Tradition beugt, benötigt man zumindest einen griechischen Namenspatron.
Meine Tochter Melina heißt Melina Sofie, getauft auf Sophia, und Emily Zoe wurde auf Emilia getauft.

Für die Zeremonie wird benötigt:

  • 1 Kirche
  • 1 Pfarrer
  • Deko für die Kirche
  • eine Goldkette mit einem Kreuz für den Täufling
  • Tauföl
  • Taufkerze
  •  ein komplett neues Outfit für das Baby nach der Taufe, inkl. Unterwäsche, Handtuch, Kopfbedeckung und Schuhen
  • 1 Kiste, indem das Outfit aufbewahrt wird und die weiteren benötigten Utensilien aufbewahrt werden.

Nicht alle Pfarrer taufen Kinder unverheirateter Paare, oder auch  wenn nicht beide Elternteile griechisch- orthodox getauft sind.
Alle Kosten die mit dem Täufling zu tun haben, werden von den Taufpaten übernommen. Nachdem die Taufe in Griechenland fast so einen hohen Stellenwert hat wie die Hochzeit, gibt es natürlich  Spezialgeschäfte für sämtliche zu tätigenden Anschaffungen, wo es einem schnell schwindelig wird bei den Kosten einer banalen Taufkerze, mit erhöhtem Blutdruck oder sogar Ohnmacht zu rechnen ist, bei den Preisen des Outfits.
Durch die enormen Kosten geht der ursprüngliche Sinn einer Patenschaft leider verloren. Freunde oder Verwandte würden die Patenschaft ja gerne übernehmen, können sich aber die Kosten für die Taufe nicht leisten und lehnen somit die Patenschaft ab. In den letzten Jahren hat sich es etwas gelockert, und man kann auch Taufen kostengünstiger feiern, jedoch liegt das am Ende in den Händen der griechischen Schwiegermutter, die meist doch traditionell und opulent feiern möchte  😉

Während der Taufe sind folgende Darsteller answesend:

  • ein brüllendes Baby
  • eine völlig aufgelöste Mutter des Täuflings
  • Vater des Täuflings, erkennbar an stolzgeschwellter Brust.
  • überforderte und aufgeregteTaufpaten
  • sehr stolze und hektische Schwiegermutter
  • Statisten, – viele Menschen, die man überhaupt nicht kennt.

Vor der Zeremonie wird das Taufkind an seine Paten übergeben und die Mutter bekommt ihn/sie erst nach der Zeremonie wieder zurück.
Diese besteht aus viel Weihrauch, Sprechgesang, Gebeten der Paten und der Predigt des Pfarrers. Die Dauer ist auch hier recht unterschiedlich, bei meinen Kindern dauerte es gefühlte Tage, bei der Taufe meiner Freundin ca. eine halbe Stunde. Das Kind wird dreimal komplett im Tauchbecken untergetaucht, aber auch da haben einige  Pfarrer inzwischen Mitleid mit den kleinen Würmchen und bedecken das Köpfchen nur mit Weihwasser. Der Protest der Täuflinge reicht von kläglichem Wimmern, geht aber spätestens beim dritten Untertauchen, in lautes Gebrüll über. Die Blicke der Mütter töten ab diesem Zeitpunkt abwechselnd die Schwiegermutter, den Pfarrer und den Vater des Taufkinds. Griechische Mamas sind da erfahrungsgemäß etwas entspannter, aber bei uns Nordeuropäerinnen hat ja die Religion meist nicht so einen hohen Stellenwert und somit sind wir auch diesbezüglich sehr leidensfähig. Danach wird das glitschige, ölige und brüllende  Etwas in sein neues Outfit gesteckt und dann wieder der (erleichterten) Mutter übergeben.

Die Gäste bekommen alle eine Bonbonniere, kleine Säckchen mit Taufmandeln, manchmal ist daran noch ein kleines Geschenk wie ein Anhänger oder Ähnliches befestigt. Die Mandeln stehen mit ihrem bitteren Geschmack als Symbol für das Leben mit allen Höhen und Tiefen, die süße Glasur steht für den Wunsch, dass das Leben mehr von Glück und Freude geprägt wird. Die Kosten dafür, als auch für das nach der Taufe folgende Essen mit Familie und Freunden (meist in einer Taverne) werden von den Taufeltern übernommen.
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Nach der Taufe:

  • ein meist erschöpftes Baby
  • völlig entspannte Taufeltern und Paten
  • sehr, sehr stolze Schwiegermutter
  • Freunde und Familie, die ausgelassen feiern.

Das ölbedeckte Baby darf dem Glauben nach  drei Tage nicht gebadet werden, erst dann soll das Kind von den Paten im Meer gewaschen werden. Meine Schwiegermutter hat das Baden damals übernommen und dann das Badewasser ins Meer geschüttet und die Windel verbrannt.
Nach der Taufe muss auch der Pate oder die Paten drei Mal sonntags mit dem Taufkind in die Kirche zur Segnung. Dabei muss natürlich die neue Goldkette mit Kreuz passend zum neuen Strampler getragen werden.
Aber dann hat man die Prozedur endlich überstanden.
Rückblickend ist es nicht mehr soo schlimm,  und jedes Kind hat bis jetzt die Taufe ohne Traumata im weiteren Leben überstanden, aber man kann entspannter Feste feiern 😉

 

 

3 Kommentare

  1. Susanna Hill sagt

    Das ist ja echt aufwendig. Hab ich so nicht erwartet. Lieb von Dir, uns in solche Dinge einzuweihen. Ich wußte auch nicht, das griechische Frauen nach der Geburt ewig lang im Haus bleiben müssen. Bis der Priester ihnen erlaubt, das Haus zu verlassen.

  2. Brigitte Reuter sagt

    Hallo, liebe Anja, super und lustig geschrieben! 🙂 Aber so ist es wirklich. Herzliche Grüssenach Kos Brigitte

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