Da lebt man schon so lange hier, denkt dass man die Mentalität der Griechen bzw. der Koer (Einwohner von Kos) genau kennt, aber wenn man das Ganze schriftlich verpacken soll, fehlen einem die Worte.
Generell denke ich,  es gibt mit Sicherheit einen Mentalitätsunterschied zwischen Festland und den Inseln, sowie sich auch die Inseln als solches unterscheiden.
Aber manches haben sie mit Sicherheit gemeinsam:

Weltweit bekannt sind sie für ihre Gastfreundschaft und Kinderliebe, und dieses Klischee kann ich mehr als bestätigen:
Griechen ist ausgiebiges, gemeinsames Essen wichtig als auch die Familie. Beides zusammen ergibt eine Kombination von Komik und Tragik:
Man geht immer hungrig zu Familienfeiern, richtig hungrig- die beste Vorbereitung ist eine Nulldiät über mehrere Tage. Angebotenes Essen oder Trinken abzulehnen geht nicht-, es wird schlichtweg nicht akzeptiert, die Gastgeber sind tödlich beleidigt oder durch den mangelnden Hunger wird einem eine schlimme Krankheit unterstellt.
Der gesunde Appetit wird einem hier sprichwörtlich schon in die Wiege gelegt:
Wenn griechische Babys nicht schlafen, müssen sie essen. Immer.
Meine beiden Töchter hatten im Babyalter Ähnlichkeit mit Knödeln. (hat sich Gott sei Dank inzwischen verwachsen) Mein inständiges Flehen an meine Schwiegermutter, den Kids nicht ständig mit dem Löffel nachzurennen, wurde stets ignoriert. Die (übertriebene) Fürsorge der Großeltern und Eltern zieht sich durch das Leben der Kinder.
Der Zusammenhalt der Familie ist sehr wichtig, man sorgt ein Leben lang füreinander und somit werden die Kinder selten zur Selbständigkeit erzogen. Es wird davon ausgegangen, dass die Kinder ihr Leben mit und bei den Eltern verbringen.
Der Ursprung der Helikopter Eltern muss aus dem Griechischen kommen 😉
Ich stieß sehr oft auf Unverständnis, dass meine Kinder den 10 Minuten langen Schulweg schon in der Grundschule zu Fuß zurücklegten, und ich nicht wie all die anderen fürsorglichen Eltern mit dem Auto bis zum Klassenzimmer fuhr.

Wie alle Südländer sind auch die Griechen viel entspannter als die Nordeuropäer und die lässige Lebenseinstellung zieht sich durch alle Phasen des Alltags:
Hier wird nicht geparkt, sondern einfach das Auto stehengelassen. Auch gerne auch mal mitten auf der Straße- dadurch ausgelöste Verkehrsstaus werden mit einem Schulterzucken hingenommen. Zudem unterhalten sich Griechen gerne auf der Straße von einem Auto zum anderen. Situationen wie diese ringen mir immer ein Schmunzeln ab, aber immer nur dann, wenn ich selbst nicht in Eile bin. 😉
Pünktlich muss man bei einer Verabredung mit Griechen nicht sein. Höchstens man verbringt gerne Zeit mit sich alleine oder möchte noch meditieren.  Griechen sind immer zu spät.
Behördengänge sind hier der Albtraum:
Für irgendeinen Antrag fehlt trotz ausgiebiger vorheriger Recherche des Antragsstellers minimum ein Dokument. Beim zweiten Besuch hört man dann ein
„Oh Entschuldigung, da ist mir ein Fehler unterlaufen, wir brauchen noch zusätzlich eine Kopie von dem Antrag aus dem Jahre 1936“. (Wahlweise auch aus dem 17. Jahrhundert). Beim 3. bis 10. Besuch fehlen dann abwechselnd beglaubigte Kopien unterschiedlicher Dokumente und Formulare aus der Steinzeit. Auch muss man trotz digitaler Erfassung bei jedem Besuch eine Kopie des Personalausweises, die letzte Steuererklärung als auch die Steuer-, Sozialversicherungs-und Krankenkassennummer in Kopie vorlegen.
Wen wundert es dann, dass sich auch heute noch in den Behörden die geschnürten Akten bis unter die Decke stapeln.
Situationen und Sachverhalte die ich nicht verstehe, aber mir inzwischen auch keine Gedanken mehr darüber mache. Zumindest versuche ich es- bis zum nächsten Behördengang, wo ich dem Wahnsinn wieder ganz nahe bin 😉

Die Religion und Kirche spielt bei vielen Griechen auch heute noch eine fundamentale Rolle in ihrem Leben. Fastenzeit und regelmäßige Kirchgänge sind für viele noch ein Muss. Jedoch dient auch der Kirchenbesuch zum regelmäßigen Austausch von Klatsch und Tratsch.

Vermeintliche Streitgespräche sind meist ein normales Gespräch über die Ehefrauen, das gestrige Fußball- oder Basketballspiel oder die Politik.
Auch gehört das Schimpfwort „Malaka“ zum gepflegtem Sprachgebrauch unter Männern und ist durch das flexible Einsetzen ständig zu hören.

Neben den vielen liebenswerten Klischees gibt es wie in jeder Nationalität auch ein paar unangenehme Eigenschaften:
Oft wird geschäftlicher Erfolg so sehr missgönnt, dass er mit allen Mitteln bekämpft wird- häufig auch mit unlauteren Methoden und immer wieder werden Streits vor Gericht ausgetragen. Gerichtsfälle wegen Kleinigkeiten, die mich oft staunen und den Kopf schütteln lassen.

Man kann das Leben hier teils mit einem Dorfleben in Deutschland vergleichen:
Man kennt sich, Vitamin B und Beziehungen sind wichtig.
Es wird hier auch oft sehr laut gejammert, aber die Griechen lassen sich nicht die Lebensfreude nehmen. Bewundernswert und definitiv zur Nachahmung empfohlen. Ich glaub mit weniger Streß lebt es sich definitiv gesünder, aber meine angeborene Ungeduld bringt mich hier teils an meine Grenzen, jedoch haben mich die vielen Jahre hier doch etwas Gelassenheit gelehrt. Manchmal zumindest 😉

 

 

 

 

 

 

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