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Kos – 36 Stunden nach dem Beben

Eigentlich wollte ich ja keinen aktuellen Artikel über das Erdbeben schreiben, sondern später einen Beitrag über den Aufbau und die Rekonstruktion einiger Gebäude und Monumente.
Aber nachdem die Medien wieder Mist erzählen, viele Gäste auch den Fokus nur auf das Schlechte und Zerstörte legen, doch nun hier ein paar klärende Worte:
Es ist richtig, die Erde hat gewackelt, und zwar richtig. Ich wohne oberhalb von Kos Stadt, nur wenige Meter Luftlinie vom Asklepion entfernt.
Auch ich bin sehr erschrocken und voller Panik zu meiner Tochter ins Zimmer gerannt und nachdem wir nach einem kurzen “Hauscheck”  keine großen Schäden feststellen konnten , haben wir uns natürlich sofort bei Freunden nach deren Wohlbefinden erkundigt.
Die restliche Nacht war kurz, da des immer noch Nachbeben gab und man ja auch nicht weiß, ob es nochmals zu einem gewaltigen “Ruckeln” kommt.
Schon nachts wurde bekannt, dass das Dach einer Bar einstürzte, zwei Menschen dadurch starben, einige Gebäude beschädigt wurden und das Minarett einstürzte.

Auch war das Meer kurzweilig durch das Erdbeben aufgewühlt und viele Einwohner von Kos Stadt fuhren mit den Autos weg vom Meer Richtung Berge.
Am nächsten Morgen, dann die Gewissheit, dass zwei der ca. 210 Hotels der Insel evakuiert wurden und die Gäste in anderen Hotels untergebracht wurden.
Auch brach natürlich bei einigen der Touristen sowie der Einheimischen Panik aus, da es zudem ja noch mitten in der Nacht geschehen ist  und das Ausmaß an Rissen an den Gebäuden nur schwer festzustellen war.

Aber bei den meisten hat sich die Situation beruhigt, die Reiseveranstalter checkten alle Hotelanlagen und buchten Gäste in andere Hotels um, und für die nicht zu beruhigen waren, wurde nach Rückflügen gesucht.
Der Flughafen war aus Sicherheitsgründen bis um die Mittagszeit gesperrt, was natürlich zu einigen Verspätungen führte (bei Streiks oder technischen Defekten der Maschinen, oft gravierender als gestern)

Gestern Abend, nicht mal 24 Stunden nach dem Beben, waren einige Straßen der Innenstadt gesperrt, um ungestört Aufräumarbeiten durchzuführen.
Viele Geschäfte und Cafés hatten geschlossen. Die Bar mit dem eingestürzten Dach großräumig abgesperrt. Die Fähren legten in Kefalos an.

Heute Abend in Kos Stadt:
Die Straßen in der Innenstadt sind alle befahrbar, als auch die Hafenstraße. Die größte Kirche der Stadt, die Ag. Paraskevi, abgesperrt als auch ein Teil des Marktplatzes, wo das Minarett stand. Markthalle, als auch alle Geschäfte, Cafés und Restaurants in der Altstadt geöffnet.

Es macht mich somit unendlich wütend, wenn fast alle Medien schlichtweg Unwahrheiten erzählen über die Situation vor Ort.
Auch Augenzeugen auf Kos, die eingestürzte alte Mauerteile und zwei von Trümmern erdrückte Autos vergleichen mit dem Ausbrechen eines Krieges, da könnte ich in den PC springen.

Bekannt ist, dass die Menschen immer sensationsgeiler werden und auch oft auch immer nur das Negative sehen, die Realität, das Schöne, das Wesentliche und das eigentlich Wichtige bei solchen Sachen verloren geht.

Ich möchte das Ganze nicht verschönern, natürlich gibt es auch einige kleine Geschäfte als auch Privathäuser, die im Fundament Risse haben, dass sie erstmal nicht bewohnbar sind und erst Gutachten erstellt werden müssen. Aber auch das wird in absehbarer Zeit erledigt sein.
Und zwei Menschen die durch das Unglück ihr Leben verloren, als sie ihren wohlverdienten Urlaub genießen wollten, ist tragisch und bedauerlich.
Aber Panik zu verbreiten, liebe Medien und tragikliebende Menschen wäre angebracht, wenn ein Hotel eingestürzt wäre, der Hafen so zerstört, dass Fähren nicht mehr anlegen könnten und somit die Versorgung der Insel nicht gewährleistet wäre oder der Flughafen so beschädigt wäre, dass Flugzeuge hier weder landen noch starten könnten.

Aber Fakt ist,  2% der Insel wurden massiv beschädigt, und nach 36 Stunden eine normale Operation für den Tourismus wieder hergestellt.
Und falls der Ablauf in eurem Hotel nicht so reibungslos ablief, wie ihr euch es gewünscht habt, glaubt mir weder die Reiseleiter der Veranstalter, noch die Hotelangestellten sind Erdbeben geprüft, da ein Erdbeben dieser Stärke es schon seit 1933 nicht mehr gegeben hat.
Und wenn ihr darüber nachdenkt,  aufgrund dessen bei der Fluggesellschaft wegen Verspätung oder der Nacht im Freien bei den Hotels Regress einzufordern, geht es euch immer noch gut. Andere für Naturkatastrophen verantwortlich zu machen- was für ein Blödsinn!

Und an die Journalisten, die nur aufgrund der Auflage so einen verlogenen Mist schreiben: Chapeau, wenn ihr nachts ruhig schlafen könnt, obwohl ihr mit den Ängsten der Urlauber spielt und die Existenz der gesamten Einwohner der Insel Kos mal wieder (wie auch bei der Flüchtlingskrise) auf′s Spiel setzt.