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Kos ungeschminkt – Episode 16

zu Gast Steffi - kritische Gedanken zum Overtourism jetzt und in der Zukunft

by Kosblogger
Overtourism Kos

Overtourism Kos –  Trauminsel am Limit?

Manchmal merke ich erst im Gespräch, wie sehr sich ein Ort verändert. In unserer aktuellen Podcastfolge sitzt Steffi endlich wieder neben mir – nach einem gescheiterten Aufnahmeversuch (zu viel zu erzählen, plus Prosecco) gibt’s diesmal Kaffee und Klartext.

Winter auf Kos: Sturm statt Postkartenwetter

Wir starten mit dem, was auf Inseln nie nur Smalltalk ist: dem Wetter. Dieser Winter war ungewöhnlich stürmisch. Hohe Wellen, starker Wind und Schäden am Hafen sowie in Orten wie Kefalos, Kamari und Kardamena zeigen mir wieder, dass das Meer hier nicht nur Kulisse ist. Regen ist wichtig für die Insel – aber diese langen, grauen Phasen nerven trotzdem. 

Wenn „mehr“ nicht automatisch besser ist

Schnell landen wir beim großen Thema Tourismus. Kos ist beliebt, und das verstehe ich total. Aber ich habe immer öfter das Gefühl, dass wir über einen Punkt hinaus sind, an dem Wachstum noch gesund ist. Genau hier fällt für mich immer wieder der Begriff Overtourism Kos. Wenn ständig neue Hotels genehmigt werden, frage ich mich, ob Infrastruktur, Wasser, Müllmanagement und Wohnraum überhaupt noch mithalten können.

Ich erlebe viel Unmut in der Bevölkerung, sehe Petitionen und Initiativen – und gleichzeitig wenig spürbare Reaktion von offizieller Seite. Dieses Gefühl, dass einfach weitergemacht wird, obwohl es knirscht, beschäftigt mich sehr.

Wasser: das eigentliche Luxusproblem

Ein Thema, das mich besonders trifft, sind Wasserabschaltungen im Sommer. Wenn Wohngebiete stunden- oder sogar tagelang ohne Wasser sind, ist das für Familien, ältere Menschen oder Leute, die in der Gastronomie arbeiten, richtig schwierig. Gleichzeitig wachsen Hotelanlagen und Pools weiter. Für mich fühlt sich das einfach nicht fair verteilt an.

Teurer Urlaub, weniger für die Orte?

Auch die Preise sind stark gestiegen. Ein Taverna-Besuch kostet heute deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Viele Gäste nutzen deshalb All-Inclusive-Angebote – verständlich, aber problematisch. Denn wenn das Geld in den Anlagen bleibt, kommt in der Altstadt, bei kleinen Läden und lokalen Tavernen weniger an. Und genau diese machen für mich den Charakter von Kos aus.

Personal fehlt – und Wohnungen erst recht- Auswirkungen vom Overtourism Kos

Was ich als besonders kritisch empfinde: Es fehlt nicht nur Personal, sondern vor allem bezahlbarer Wohnraum. Selbst Menschen, die wir dringend brauchen – etwa Ärzte fürs Krankenhaus – finden kaum Wohnungen. Viele Apartments werden kurzfristig vermietet, Mieten steigen, und wer saisonal arbeitet, kommt im Winter kaum über die Runden. Das ist längst kein Randthema mehr.

Mein Fazit

Kos ist und bleibt eine wunderschöne Insel. Aber gerade weil ich hier lebe, frage ich mich immer öfter: Wie viel verträgt eine Insel? Wer trägt die Folgen? Und wie könnte Tourismus so gestaltet werden, dass er nicht auf Kosten der Bevölkerung geht?

Was mich dabei besonders beschäftigt, ist der Unterschied zwischen Urlaubserlebnis und Lebensrealität.

Für viele Gäste ist Kos zwei Wochen Sonne, Strand und Entspannung. Für uns, die hier leben, ist es aber Alltag – mit Staus im Sommer, überfüllten Straßen, steigenden Preisen im Supermarkt und dem ständigen Gefühl, dass alles schneller, dichter und lauter wird. Ich merke selbst, wie ich Orte meide, die ich früher geliebt habe, einfach weil sie in der Hochsaison kaum noch erträglich sind. Gleichzeitig lebe auch ich vom Tourismus, direkt oder indirekt, und genau das macht es so widersprüchlich. Man will die Insel nicht „abschotten“, aber man wünscht sich ein Maß, das zur Größe und zu den Möglichkeiten von Kos passt. Für mich geht es nicht darum, weniger Gäste zu haben, sondern bewusster zu planen – mit Rücksicht auf Natur, Ressourcen und die Menschen, die das ganze Jahr hier sind.

Wenn du hören willst, wie sich das Leben auf Kos hinter den Postkartenmotiven anfühlt – zwischen Traumkulisse und Alltag – hör gern in die Folge rein.

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