Leben in Griechenland, Mein Leben

Ostern auf Kos

Ag.Pavlos-Kirche-von- innen

Das griechisch- orthodoxe Ostern ist weltbekannt und das meist gefeierte Fest in Griechenland.
Über die Fastenzeit, die am Kathera Deftera beginnt und einige dazugehörende Rezepte habe ich ja schon in Artikeln veröffentlicht.
Das orthodoxe Osterfest fällt selten mit dem europäischen Ostern zusammen, was daran liegt, dass die orthodoxe Kirche dem Julianischen Kalender, die katholische und evangelische dem Gregorianischen Kalender folgt.
Allerdings steht fest: Das griechische Ostern findet immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond statt.

Das Osterfest beginnt in der griechischen Kirche in der Karwoche, in griechisch die “Megali Evdoma”, die “Große Woche”:
Täglich gibt es abends Gottesdienste:
Am Mittwoch bekommen die Besucher der Kirche nach dem Gottesdienst einen Wattebausch, der zuerst in Öl eingetaucht wird, anschließend wird damit die Stirn und die Hände bekreuzigt.
Ein bedeutender Tag ist der Gründonnerstag, wo traditionell die Ostereier rot gefärbt werden, als Symbol für das Blut von Jesus.

gefärbte rote Eier an Ostern
In der Kirche werden die zwölf Evangelien vorgelesen, nach dem sechsten gehen die Lichter in der Kirche aus, und bei Kerzenlicht hört man die Kirchenglocken, die das Hämmern der Kreuzigung symbolisieren sollen.

Einige der Gläubigen übernachten sogar nach dem Gottesdienst in der Kirche (hauptsächlich Frauen). Nachts und am Morgen wird der Sarg dann mit Blumen geschmückt. Am Morgen des Karfreitags wird dann ein goldbesticktes Tuch  mit dem Abbild des toten Jesus, Engeln und der Heiligen Maria auf den Sarg gelegt. Im Griechischen nennt es sich “Epitafios”.  Am Gottesdienst selbst nehmen im Verhältnis nur wenig Griechen teil. Allerdings füllt sich der Kirchenplatz vor der Kirche immer mehr und nach der Predigt fühlt es sich dann doch an, als wäre die ganze Insel auf den Beinen.

Fast zeitgleich setzen sich dann die Kirchenanhänger (teils singend und mit musikalischer Begleitung)  der jeweiligen Kirchen in Bewegung um dann auf dem Marktplatz den schönsten “Epitafios” zu küren. Durch das Durchgehen unter dem Sarg, und somit das symbolische Verbeugen, erhält der Gläubige den Segen.

Am Ostersamstag gibt es zwei Gottesdienste:
Morgens wird als Segnung Brot und Wein gereicht, und man beglückwünscht sich gegenseitig zur Auferstehung mit den Worten: Cristos Anesti, was  heißt “Christus ist auferstanden”.
Der Hauptgottesdienst findet allerdings um 23.00 Uhr statt und die Kirche wird auch hier zum Treffpunkt aller Einwohner. Um Mitternacht gibt dann der Priester das heilige Osterlicht an die Besucher weiter.  Da kommt dann die bekannte griechische Osterkerze zum Einsatz:
Osterkerzen gibt es schon Wochen vorher überall zu kaufen.  Für die Erwachsenen sind es klassisch weiße lange Kerzen,  genannt “lampades”. Für die Kinder gibt es die unterschiedlichsten Motive, von kitschig bis niedlich ist alles dabei.

Die Taufpaten sind der Tradition nach verantwortlich, dass das Patenkind bis zum Ostersamstag mit einer Kerze ausgestattet wird.
Auf dem Nachhauseweg hält jeder seine Osterkerze und eigentlich sollte man auch bis zu Hause schweigen. Eigentlich 😉 Für meine Mädels war es früher immer ein Drama, wenn die Kerze auf dem Weg nach Hause ausging. – also immer-  🙂 Somit sind wir schweigend nie nach Hause gekommen. 😉

Was ich lange Zeit auch nicht wusste, (da ich mir auch nie Gedanken darum machte), dass das heilige Licht direkt von Jerusalem mit dem Flugzeug nach Athen fliegt und von dort entweder mit Schiffen oder Flugzeugen auf die Inseln weitergegeben wird. Vom Flughafen wird das heilige Licht dann in die Hauptkirche der jeweiligen Insel gebracht, und  dort von Vertretern der verschiedenen Kirchen verteilt.

Die Auferstehung Jesu wird dann – fast wie bei uns an Silvester – mit knallenden Feuerwerkskörpern gefeiert. In Kalymnos wird noch mit Dynamit geballert, jährlich gibt es dort einige Verletzte und das dumpfe Geräusch hört man bis Kos. Leider beschränkt sich auch hier  das Geballer nicht nur auf die Zeit nach dem Gottesdienst.
Schon Tage vorher bis zum Ostersonntag werden Feuerwerkskörper gezündet.

Zu Hause essen dann viele um Mitternacht die sehr bekannte Suppe,  Magiritsa,  bestehend aus den Innereien des Lamms: Leber, Lunge,  Darm und Herz. Viele Touristen lieben diese Suppe, aber die meisten nur bis zu dem Augenblick, wo ihnen gesagt wird, was drin ist.
Ihr könnt euch schon denken- auch nicht mein Geschmack. 😉 Dazu gibt es das Osterbrot (Tsoureki) und das Ostergebäck (Koulourakia).
Tsoureki

 

 

 

 

Eine sehr witzige Tradition ist, das Gegeneinander Schlagen der rotgefärbten Eier. Dessen Ei standhält, dem prophezeit man Glück für das kommende Jahr.

Am Ostersonntag wird dann das Lamm gegrillt, –  über dem offenen Grill und von Hand gedreht.
Für mich immer der blanke Horror und jeder in meinem Freundeskreis weiß, dass ich definitiv zum Drehen nicht zur Verfügung stehe. 😉
Für uns sind aber die  kirchlichen Traditionen nicht der Schwerpunkt in der Osterzeit.
Trotzdem jedes Jahr ein Highlight:
Das Wetter ist meist traumhaft und wir genießen das Zusammensein mit Freunden und Familie, bevor der Stress der Saison wieder losgeht und man teilweise seine Freunde bis Saisonende gar nicht mehr zu Gesicht bekommt.  Somit ist es auch immer ein kleines Abschiednehmen.
Besonders schön ist es natürlich Ostern zu feiern, wenn noch keine Charterflüge auf der Insel gelandet sind,- für den Griechen an Ostern zu arbeiten ist genauso schlimm wie für den Deutschen an Weihnachten. Aber das Grillen am Sonntag lässt der Grieche nur in Notfällen ausfallen. 😉 Wir haben dieses Jahr auch Glück, dass die Saison noch nicht “richtig” angefangen hat, obwohl schon einige Charterflüge gelandet sind, und wir dieses Jahr das Fest ausgiebig genießen können.
Ich werde mich somit nun in die Küche begeben um einige Leckereien für morgen vorzubereiten und freue mich auf einen schönen Tag mit family and friends 🙂